Pinsel (1) Hintergrund, Handhabung, Herstellung

Die Werkzeuge der Bürsten- und Pinselmacher gehören zu den ältesten Werkzeugen des Menschen. Im Jahr 1879 entdeckte man in der Höhle von Altamire beeindruckende Felsmalereien. Nach neuesten Forschungen stammen die inzwischen weltbekannten Tierbilder aus einer Epoche etwa um 12.000 vor Christi Geburt. Anfangs staunte man über die Qualität der Bilder und vermutete eine Fälschung. Doch etwas später fanden sich bei einer weiteren Grabung die damals verwendeten Werkzeuge. Es handelte sich um Pinsel, die aus Röhrenknochen gefertigt waren und in die man Haare eingesetzt hatte. Ähnlich wie bei den heutigen Malern existierten diese Pinsel bereits in verschiedenen Größen und Stärken. Doch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts musste sich der Künstler sein Malgerät selbst erstellen. Sein Anspruch, stets die Kontrolle beim Auftragen von Farbe zu besitzen, zwang ihn auch, ein ausgezeichneter Pinselmacher zu sein. Erst im 18. Jahrhundert begann die stolze Handwerkszunft des Pinselbinders. Durch wunderbare Geschicklichkeit verbessert, kam das junge Handwerk in der Handelsstadt Nürnberg bald zu großer Blüte und erlangte weltweites Ansehen.
Alles beginnt mit einem „Ende“: dem Tierschweif. An ihm sind die Haare besonders kräftig, denn sie müssen mechanische Aufgaben erfüllen. Kehren, schlagen, steuern. Die ihnen von der Natur hierfür verliehenen Eigenschaften sind für die Zwecke des Pinselmachers die große Kostbarkeit. Wer glaubt, dass in der Pinselfabrik heute große Maschinen stehen würden, die die Herstellung von Pinseln übernommen hätten, irrt sich gewaltig. In hellen Räumen sitzen Meister, Gesellen und auch Lehrlinge an marmornen Arbeitsplätzen. Außer etwas Geplauder unter Kollegen ist nur ein deutlich synkopisches Klopfgeräusch zu hören. Geht man diesem Geräusch nach, entdeckt man einen kleinen, kartuschenartigen Messingköcher, der vom Pinselmacher mit Haaren oder Borsten gefüllt und dann zum gewünschten Pinsel geformt wird. Das Klopfgeräusch entsteht beim Einklopfen der Haare, die der Pinselmacher mit dem so genannten Dreifingergriff in den Köcher gefüllt hat. Dann trommelt er mit dem Behälter auf die Tischplatte bis jedes Haar auf gleicher Höhe steht. Die einzigen Werkzeuge, die der Pinselmacher benutzt, sind Messer und Schere. Wer jetzt aber vermutet, dass der Pinsel vom Pinselmacher mit der Klinge fassoniert würde, liegt völlig falsch. „Die von Hand gearbeitete Form war und wird auch in Zukunft das wesentliche Qualitätsmerkmal eines guten Pinsels bleiben“, so die Aussage des Handwerksmeisters.