Rebalancieren ohne Verlust

Viele Nail Designer machen schon bei der Neumodellage den Fehler, den Stresspunkt nicht exakt am gleichen Punkt auf jedem Nagel zu platzieren. Abhängig davon, welcher Finger den Stress-punkt zu weit vorne, also zur Smileline hin hat, ist dieser Nagel am meisten in Gefahr unstabil zu werden.

Proportionen
Bedenken Sie bei der Versetzung des Stresspunktes bei der Rebalancierung, dass der Nagel kontinuierlich wächst und der Stress-punkt entlang des Nagelwuchses zur freien Nagelspitze hin verschoben wird. Darüber hinaus wird, je weiter das Produkt nach vorne wächst, der Abstand ohne Produkt größer, was auch in der Platzierung des Stresspunktes berücksichtigt werden sollte.
Auch das Gewicht des Produkts spielt beim Aufbau des Stress-punktes eine Rolle. Je mehr Aufbau modelliert wird, desto schwerer wird das Gewicht des Produkts auf dem Naturnagel. In vielen Fällen ist weniger mehr – und der Stresspunkt muss in Relation zu der Größe des Naturnagels modelliert werden. Je kleiner der Naturnagel, desto weniger Aufbau braucht der Stresspunkt, ohne an Stabilität zu verlieren.

Lifting
Geliftetes Material muss vor dem Produktauftrag beim Auffülltermin entfernt werden. Die Gründe für Liftings sind so vielfältig wie die Anbieter von Nagelprodukten auf dem Markt. In vielen Fällen handelt es sich jedoch um Applikations- und Verarbeitungsfehler des Nail Designers bzw. die Zeitspanne zwischen den Behandlungsterminen ist zu lang und garantiert daher die Lebensdauer der Modellage (siehe auch Beitrag Prof Nail 2, 2005) nicht mehr. Es gibt einige Produkte, die bei Liftings helfen, das gelöste Material wieder mit dem Naturnagel zu verbinden und zu versiegeln. Sie können bei einer Gel- und auch bei einer Pulver-Flüssigkeits-Modellage verwendet werden. Haben Sie vermehrt Probleme mit Liftings von Produkten, sollten Sie Ihren Lieferanten befragen, ob die von Ihnen angewandten Verarbeitungs- techniken mit dem Produkt vereinbar sind. Was überhaupt nicht zu empfehlen ist, ist das Entfernen von geliftetem Material mit dem Nipper. Hierbei wird mit einer kleinen Zange unter das gelöste Produkt gegriffen und dieses abgezwickt. Hierdurch entsteht aber auf dem noch fest verbundenen Produkt so viel Druck, dass sich dies weiter löst und die oberen Schichten des Naturnagels mit abreißen. Die entstandenen Produktränder sind sehr viel stärker und es ist fast unmöglich, diese wieder an den Naturnagel anzugleichen. Unansehnliche „Altersringe“ sind die Folge.

Schritt für Schritt
Für die Arbeit bei der Rebalancierung sollten Sie sich eine Routine zulegen und diese Schritt für Schritt durcharbeiten. Wie vor jeder Modellagearbeit sollte die Nagelhaut vorsichtig angehoben und zur Matrix hin geschoben werden. Kürzen Sie die Modellage zuerst auf die gewünschte Länge. Eigentlich sollte die Modellage um genau die Länge gekürzt werden, welche als Nachwuchs am Nagelfalz zu sehen ist. Damit erstellen Sie dieselbe Länge, die bei der Neumodellage bzw. beim letzten Auffülltermin gearbeitet wurde. Nun wird die Form erstellt. Unter Berücksichtigung der Basislinien und der Formlinie wird die Verlängerung wieder in Form gebracht. Im Anschluss daran wird die Modellage dünner gefeilt. Die Nagelränder, die Seitenlinien und die C-Kurve müssen abgeflacht werden, da Sie Platz benötigen, um neues Produkt aufzutragen. Ganz vorsichtig sollten Sie am Nagelwall und am Übergang zum Naturnagel arbeiten. Dies verhindert, dass der offen liegende Naturnagel beschädigt wird. Nehmen Sie nun den Staub mit einer Nagelbürste ab und dehydrieren Sie den Naturnagel mit einem Dehydrator. Bei Bedarf kann nun eine geringe Menge Haftvermittler auf den Nagel aufgetragen werden. Beim Pulver-Flüssigkeits-System sollten Sie unter allen Umständen vermeiden, dass der Primer mit dem alten Produkt in Berührung kommt. Dies würde ein Vergilben verursachen. Bei der Rebalancierung mit Gel können Sie nun ein Haftvermittlungsgel über den Naturnagel und das alte Produkt ziehen und es im UV-Gerät aushärten.