Hygiene

Hygiene, die Lehre über die Verhütung von Infektionskrankheiten durch Übertragung von Mikroorganismen, ist in der heutigen Form eine relativ junge Lehre. Erst 1865 wurde in Deutschland der erste Lehrstuhl für diesen Bereich an einer Universität eingerichtet. Trotz des  Wissens, dass schon im Römerreich der Arzt Marcus Terrentio Varro über die Übertragungswege von Krankheiten durch Mikroorganismen lehrte, hat es sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts bei uns durchgesetzt.

Anwendungen im Studio
Auch wenn nun schon seit über 150 Jahren die Lehre der Hygiene an den deutschen Universitäten unterrichtet wird und das Bewusstsein um Hygiene in der Bevölkerung immer stärker wird, gibt es dennoch Teilbereiche unseres Lebens, in denen die hygienischen Bedingungen noch nicht berücksichtigt werden. Da der Beauty Bereich noch relativ jung in seiner Entwicklung ist und dessen Anwendungen großen Änderungen unterworfen sind, arbeiten die Behörden erst in den letzten Jahren an Hygieneverordnungen,  die die Anwendungen strickt reglementieren. Durch den Föderalismus obliegt es jedoch jedem Bundesland, Hygieneverordnungen zu erlassen. So unterscheiden sich diese Vorschriften maßgeblich voneinander. NRW hat eine 23-seitige Hygieneverordnung. In Bayern, Hamburg und Niedersachsen umfasst die jeweilig gültige Hygieneverordnung gerade  ein bis maximal drei Seiten. Dementsprechend dürftig sind auch die Vorschriften und Empfehlungen. Während NRW das Tragen von Handschuhen während des Kontaktes mit den chemischen Produkten (also während des Produktauftragens und der Feilarbeit) zwingend vorschreibt, wird das in der bayerischen Verordnung noch nicht einmal erwähnt. Auch die Verwendung der Feilen und deren Handhabung tauchen in den meisten Verordnungen nicht auf. Macht man sich dann aber klar, dass genau auf diesem Weg einiges an Keimen und Mikroorganismen übertragen werden kann, ist die Arbeitssituation in den Studios nicht weiter verwunderlich.

Geltungsbereich
Die Verordnung, die am umfangreichsten ausgearbeitet wurde, ist die in Nordrhein Westfalen gültige Verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten (Hygieneverordnung) vom 9. Januar 2003.

Geltungsbereich
Diese Verordnung gilt für berufs- oder gewerbsmäßig ausgeübte Tätigkeiten außerhalb der Heilkunde, bei denen Krankheitserreger im Sinne von § 2 IfSG, insbesondere Erreger von AIDS, Virushepatitis B und C oder deren toxische Produkte auf Menschen übertragen werden können. Hierzu gehören insbesondere Tätigkeiten im Frisörhandwerk, in der Kosmetik und Fußpflege, beim Tätowieren und Piercing, Ohrlochstechen, aber auch andere Tätigkeiten, bei denen Verletzungen der Körperoberfläche vorgenommen werden, soweit hierbei Geräte, Werkzeuge oder Gegenstände eingesetzt werden, die bei ihrer bestimmungsgemäßen Anwendung am Menschen Verletzungen der Haut oder Schleimhaut verursachen oder unbeabsichtigt verursachen können.
Auch wenn im Nagelstudio offiziell keine Tätigkeiten ausgeübt werden, die eine Verletzung der Haut oder Schleimhaut verursachen, kann dies aber unbeabsichtigt geschehen. Wie im letzten Satz dieser Verordnung dargestellt, sind im Geltungsbereich auch Nagelstudios mit eingeschlossen, und haben sich somit an diese Vorschriften zu halten. Wenn auch darüber diskutiert werden könnte, inwieweit diese Vorsichtsmaßnahmen wohl übertrieben sind, sollte der Nail Designer es sich klar machen, dass hygienische Vorschriften in erster Linie dem Schutz der eigenen Person dienen.
Allzu oft kann man beobachten, dass die Kundin ein Studio betritt und ohne sich die Hände zu waschen am Arbeitstisch Platz nimmt. „Wissen Sie, was die Kundin vorher in der Hand gehalten hat? Machen Sie sich bewusst, dass in diesem Moment jeder Keim, jede Bakterie und jeder Virus sich auf dem Arbeitstisch ausbreitet. Wissen Sie, ob die Kundin an einem Krankheitserreger leidet, der u.U. auf Sie selbst oder die nächste Kundin übertragen werden kann?“ So lauten die Fragen, die die Dozentin Andrea Struck an der HWK Düsseldorf ihren Schülern stellt, wenn diese am Prüfungsvorbereitungskurs teilnehmen. Andrea ist selbst ausgebildete Krankenschwester und hat aus dieser Zeit viel Wissen im Bezug auf Gesundheit, und Hygiene gesammelt.