In den letzten Monaten wurde in anderen Fachzeitschriften viel über den BDND, die Prüfung und über mich geschrieben. Aus welchem Grund auch immer sind meist die Stimmen zu Wort gekommen, die dieses Projekt nicht unterstützen. Daher möchte ich mich heute zu Wort melden. Sie haben gelesen, dass ich diese Prüfung nur aus kommerziellen Interessen ins Leben gerufen habe, dass der Verband sowieso nur ein Club einiger weniger Nail Designer sei, die meiner Meinung seien, und dass die HWK mit den Kursen und Prüfungen Ihnen nur das Geld aus der Tasche ziehen wolle! Fakt ist, dass ich schon im Jahre 2001 einen Vortrag über eine Prüfung auf einer Messe gehalten habe, dass ich zwei Jahre mit dem Industrieverband zusammenarbeitete und dieser die Prüfung mangels Interesse fallen ließ. Fakt ist, dass das von mir konzipierte Prüfungskonzept nun an einer Anzahl von HWKs durchgeführt wird und, dass hierdurch der Beruf des Nail Designers der Anerkennung ein ganzes Stück nähergekommen ist. Beurteilen Sie als Leser der Prof Nail selbst, was all die anderen, die heute den BDND, die Prüfung und mich persönlich kritisieren dazu beigetragen haben, den Beruf des Nail Designers mehr Anerkennung zukommen zu lassen. Jeder einzelne Kritiker verdient mit dem Verkauf von Produkten und Ausbildungen Geld. Spricht aus der Kritik vielleicht ein wenig die Sorge, den Anschluss an eine neue Epoche verpasst zu haben? Ich behaupte nicht, dass nur meine Idee gut ist. Ich rufe jeden Nail Designer auf, sich seine eigene Meinung zu bilden – Sie sind die Personen, um die es bei dieser Angelegenheit geht.

T. Malon
Redaktion Prof Nail

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Meisterschaften - dabei sein ist alles

Übung
Beide Nail Designer waren sich in diesem Punkt völlig einig: „Übung, Übung und nochmals Übung, und das über Jahre hinweg, hat mich in die Klasse gebracht, in der ich heute spiele.“ „Ich habe während der letzten 13 Jahre immer davon geträumt, einmal ganz oben mitspielen zu können und habe jede freie Minute darauf verwendet, meine Technik zu perfektionieren“, erklärt Stefanie. Stefanie hat schon seit langen Jahren ein Modell, das mit ihr zu jeder Meisterschaft reist. Jessie ist in der Wettbewerbsarena ein alter Hase und weiß, was ihre Aufgabe bei einer Meisterschaft ist. Schon 6 bis 8 Wochen vor einer Meisterschaft beginnt die heiße Phase der Vorbereitung. Wöchentliche Manikürtermine und eine tägliche Pflege der Hände, der Finger und der Nägel gehören zum Alltag des als Stewardess arbeitenden Modells. „Die Pflege meiner Hände und Nägel ist in meinem Beruf nicht ganz einfach. Doch ich achte darauf, regelmäßige Handmasken aufzulegen und gerade in der kalten Jahreszeit Handschuhe zu tragen. Schließlich sind es meine Hände, die von der Jury begutachtet werden“, erzählt uns Jessie. Die heute 24-jährige Düsseldorferin hat schon mit knapp 17 Jahren als Modell für Stefanie an den Meisterschaften teilgenommen. „Damals wurde das Alter der Modelle nicht vorgeschrieben. Heute muss ein Modell mindestens 18 Jahre alt sein, bevor man es mit auf eine Meisterschaft nehmen kann“, erklärt Stefanie. „Die meisten Nail Designer scheitern bei einer Meisterschaft, weil sie kein passendes Modell haben. Ich übe die Modellagetechniken an meinem Modell über Wochen, bis jeder Handgriff sitzt.“ Doch in diesem Punkt gehen die Meinungen der Experten auseinander. Trang legt zwar auch großen Wert auf Übung und Perfektionierung der Technik, doch er legt sich nur selten auf ein Modell fest. „Ich arbeite ständig an meiner Technik. Auch wenn ich selbst unterrichte oder an meinem Messestand die Produkte vorführe, achte ich immer auf die perfekte Modellagetechnik“, lässt er uns wissen. Während der Nailympics in Finnland, die im November stattfanden, beobachteten wir Trang, wie er am Messestand den Teilnehmern an den Nailympics noch Tipps und Tricks mit auf den Weg gab. „Wenn man einmal ein Auge dafür entwickelt hat, wie der perfekte Nagel aussehen sollte, dann kann dies an jedem Fingernagel geübt werden.“ So erklärt Trang den Besuchern, wie man am besten das Produkt aufnimmt, wie die perfekte Produktkontrolle zu üben ist, und wie der Pinsel bei der Modellage gehalten werden muss. „Vielleicht kann man sein eigenes Auge betrügen, dass der Jury aber nicht“, ist er sich sicher. So zeigte Trang wie er überprüft, wie gut die Beschaffenheit der Modellage ist. Mit einem Laserpointer, den er aus seiner Hosentasche fischt und den er unter die Modellage hält, bringt er zutage wie gut bzw. wie schlecht gearbeitet wurde. „Die freie Nagelspitze muss ganz ebenmäßig im Produktauftrag sein. Wenn der Nail Designer zu wenig Produkt aufgenommen hat und ein zweites oder drittes Bällchen nachsetzt, kann man dies mit dem Laserlicht sehr gut erkennen.“

Produktkontrolle
Die absolute Kontrolle über das Produkt ist also der Schlüssel, um bei einer Meisterschaft erfolgreich zu sein und einen der begehrten Gewinnerplätze zu ergattern. Doch wie erreicht man diese Produktkontrolle? Wieder erhalten wir von unseren Experten dieselbe Antwort: Üben, üben und nochmals üben! „Noch bevor ich mit dem Produktauftrag bei einer Meisterschaft beginne, nehme ich ein paar Übungsbällchen auf und beobachte, wie sie sich verhalten. In meinen Trainings erkläre ich immer wieder, dass man die Modellage beginnen sollte wie ein Anfänger. Produkt aufnehmen, absetzen und beobachten, wie das Bällchen sich verhält“, erklärt Stefanie. „Der Einfluss der klimatischen Verhältnisse in einem Raum ist immer abweichend von denen im eigenen Studio. Um einschätzen zu können, wie mein Produkt darauf reagiert, muss ich dies erst ausprobieren. Habe ich das Produkt einmal auf den Nagel gesetzt, kann es schon zu spät sein“, so Trang. Da Stefanie und auch Trang oft auf Workshops eingeladen werden oder auf Messen arbeiten, ist dieses Testen der Produkte schon Routine. „Ich arbeite und unterrichte mit vielen Produkten von einer Anzahl von Herstellern. Jedes Produkt hat ein eigenes Verhalten, wenn es warm oder kalt ist, wenn die Luftfeuchtigkeit sehr hoch oder eher sehr niedrig ist. Die Schüler erwarten, dass ich während einer Schulung zeige, wie mit ihrem Produkt perfekte Nägel modelliert werden können – dazu muss ich wissen, wie das Produkt reagiert“, erzählt Stefanie. Diese konsequente Arbeitsweise hilft der 27-jährigen Düsseldorferin, heute ganz gelassen an Meisterschaften teilzunehmen.





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Patches

Unser Design, wenn es auch an die Arbeit des Patchworks erinnert, ist aber lange nicht so diffizil, wie sein Namensvetter aus der Handarbeit. Die Erstellung des hier gezeigten Designs ist auf verschiedene Arten möglich, die wir Ihnen gerne im Detail erklären möchten.

Vorbereitung
Natürlich beginnt man die Nagelmodellage mit der Vorbereitung des Naturnagels. Eine gründliche Vorbereitung ist die Grundvoraussetzung für eine haltbare und widerstandsfähige Modellage. Zuerst wird also die Nagelhaut vorsichtig angehoben und zur Matrix zurückgeschoben. Arbeiten Sie hierbei besonders vorsichtig. Das Gewebe ist lebendes Gewebe und sollte nicht verletzt werden. Auf der Nagelplatte haben sich Hautschüppchen der Nagelhaut festgesetzt. Diese müssen nun entfernt werden. Mit einem Propusher oder dem Naturnagelaufsatz für die elektrische Feile werden diese Ablagerungen von der Nagelplatte genommen. Auch hierbei ist äußerste Vorsicht geboten, da die Nagelplatte zu leicht in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Gerade bei neuen Feilaufsätzen kann es zu Feuerringen kommen, da Substanz von der Nagelplatte genommen wird. Die freie Nagelspitze wird gekürzt und in Form gefeilt. Bei diesem Design, das mit einem transparenten Anbau bearbeitet wird, ist es ganz wichtig, den Naturnagel so weit wie möglich zu kürzen.

Schablonenanpassung
Im Anschluss an die Vorbereitung setzt David nun die Schablone an. Wegen des kurzen Naturnagels kann dies unter Umständen etwas Probleme bereiten. Achten Sie darauf, dass die Schablone direkt unter dem Rand der Nagelspitze angesetzt wird und kein Abstand zum Naturnagel entsteht. Das Produkt, das für den Anbau aufgesetzt wird, würde sonst unter den Naturnagel laufen und den Tunnel unschön aussehen lassen.

Verlängerung
Der nächste Arbeitsschritt ist die Modellage der Verlängerung. Hierzu hat David ein klares Acrylpulver verwendet, das einige Glitterpartikel beinhaltet (Bild 1). Ein deckendes Glitterpulver ist für diese Modellage nicht zu empfehlen, da ansonsten die Patches nicht mehr richtig zur Geltung kommen würden. David arbeitet die Modellage etwas dünner als sonst üblich, da für das restliche Design noch einiges an Material aufgearbeitet wird.

Patches
Nun wird mit einem Farbpulver der erste Patch gearbeitet (Bilder 2 und 3). Beachten Sie bei dem Aufsetzen des Farbpulvers, dass dies sehr trocken gearbeitet wird. Anderenfalls würden die Farbpigmente nur in die darunter liegende Modellage „bluten“ und das Design würde an Brillanz verlieren. David arbeitet die Umrisse der Patches exakt aus, was zu einem späteren Zeitpunkt für die Fertigstellung wichtig ist. Wenn man bei dem Umgang mit trockenen Farbpulvern nicht so versiert ist, kann man das Material auch dünn auf eine Aluminiumfolie auftragen und trocknen lassen. Nach dem Antrocknen zieht man das Farbpulver von der Trägerfolie ab und schneidet es in die gewünschte Größe und Form. Eine ähnliche Verarbeitungstechnik haben wir in der Ausgabe 6, 2006 schon einmal von Tamara Baghoe gezeigt. Für das hier gezeigte Design werden drei unterschiedliche Farbpulver (Gelb, Pink und Weiß) verarbeitet. Die Farbzusammenstellung bleibt Ihnen überlassen. Ob nun Komplementär- oder Konträrfarben verarbeitet werden, ist Ihre freie Entscheidung. Natürlich können über die Farbpulver auch die Farbenlehre der verschiedenen Typen bzw. Farben eines bestimmten Outfits nachempfunden werden.

www.signature-nails.de





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Rebalancieren ohne Verlust

Viele Nail Designer machen schon bei der Neumodellage den Fehler, den Stresspunkt nicht exakt am gleichen Punkt auf jedem Nagel zu platzieren. Abhängig davon, welcher Finger den Stress-punkt zu weit vorne, also zur Smileline hin hat, ist dieser Nagel am meisten in Gefahr unstabil zu werden.

Proportionen
Bedenken Sie bei der Versetzung des Stresspunktes bei der Rebalancierung, dass der Nagel kontinuierlich wächst und der Stress-punkt entlang des Nagelwuchses zur freien Nagelspitze hin verschoben wird. Darüber hinaus wird, je weiter das Produkt nach vorne wächst, der Abstand ohne Produkt größer, was auch in der Platzierung des Stresspunktes berücksichtigt werden sollte.
Auch das Gewicht des Produkts spielt beim Aufbau des Stress-punktes eine Rolle. Je mehr Aufbau modelliert wird, desto schwerer wird das Gewicht des Produkts auf dem Naturnagel. In vielen Fällen ist weniger mehr – und der Stresspunkt muss in Relation zu der Größe des Naturnagels modelliert werden. Je kleiner der Naturnagel, desto weniger Aufbau braucht der Stresspunkt, ohne an Stabilität zu verlieren.

Lifting
Geliftetes Material muss vor dem Produktauftrag beim Auffülltermin entfernt werden. Die Gründe für Liftings sind so vielfältig wie die Anbieter von Nagelprodukten auf dem Markt. In vielen Fällen handelt es sich jedoch um Applikations- und Verarbeitungsfehler des Nail Designers bzw. die Zeitspanne zwischen den Behandlungsterminen ist zu lang und garantiert daher die Lebensdauer der Modellage (siehe auch Beitrag Prof Nail 2, 2005) nicht mehr. Es gibt einige Produkte, die bei Liftings helfen, das gelöste Material wieder mit dem Naturnagel zu verbinden und zu versiegeln. Sie können bei einer Gel- und auch bei einer Pulver-Flüssigkeits-Modellage verwendet werden. Haben Sie vermehrt Probleme mit Liftings von Produkten, sollten Sie Ihren Lieferanten befragen, ob die von Ihnen angewandten Verarbeitungs- techniken mit dem Produkt vereinbar sind. Was überhaupt nicht zu empfehlen ist, ist das Entfernen von geliftetem Material mit dem Nipper. Hierbei wird mit einer kleinen Zange unter das gelöste Produkt gegriffen und dieses abgezwickt. Hierdurch entsteht aber auf dem noch fest verbundenen Produkt so viel Druck, dass sich dies weiter löst und die oberen Schichten des Naturnagels mit abreißen. Die entstandenen Produktränder sind sehr viel stärker und es ist fast unmöglich, diese wieder an den Naturnagel anzugleichen. Unansehnliche „Altersringe“ sind die Folge.

Schritt für Schritt
Für die Arbeit bei der Rebalancierung sollten Sie sich eine Routine zulegen und diese Schritt für Schritt durcharbeiten. Wie vor jeder Modellagearbeit sollte die Nagelhaut vorsichtig angehoben und zur Matrix hin geschoben werden. Kürzen Sie die Modellage zuerst auf die gewünschte Länge. Eigentlich sollte die Modellage um genau die Länge gekürzt werden, welche als Nachwuchs am Nagelfalz zu sehen ist. Damit erstellen Sie dieselbe Länge, die bei der Neumodellage bzw. beim letzten Auffülltermin gearbeitet wurde. Nun wird die Form erstellt. Unter Berücksichtigung der Basislinien und der Formlinie wird die Verlängerung wieder in Form gebracht. Im Anschluss daran wird die Modellage dünner gefeilt. Die Nagelränder, die Seitenlinien und die C-Kurve müssen abgeflacht werden, da Sie Platz benötigen, um neues Produkt aufzutragen. Ganz vorsichtig sollten Sie am Nagelwall und am Übergang zum Naturnagel arbeiten. Dies verhindert, dass der offen liegende Naturnagel beschädigt wird. Nehmen Sie nun den Staub mit einer Nagelbürste ab und dehydrieren Sie den Naturnagel mit einem Dehydrator. Bei Bedarf kann nun eine geringe Menge Haftvermittler auf den Nagel aufgetragen werden. Beim Pulver-Flüssigkeits-System sollten Sie unter allen Umständen vermeiden, dass der Primer mit dem alten Produkt in Berührung kommt. Dies würde ein Vergilben verursachen. Bei der Rebalancierung mit Gel können Sie nun ein Haftvermittlungsgel über den Naturnagel und das alte Produkt ziehen und es im UV-Gerät aushärten.









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