Es gibt kein 100-prozentiges Rezept für Erfolg. Fachleute aus Industrie und Verbänden geben gut gemeinte Ratschläge, die aber nur mehr oder minder in allen Fällen umgesetzt werden können. Autoren, die Bücher über Erfolgsgeheimnisse publizieren, freuen sich über starke Auflagezahlen – ein Zeichen dafür, dass jeder von uns nach dem Erfolg in seinem Beruf oder in der eigenen Firma strebt. Die Ausbildung spielt sicherlich eine große Rolle, wenn es sich um den Erfolg als Nail Designer handelt. Auch die Auswahl der Produkte ist wichtig und natürlich hat auch der Umgang mit den Kunden Einfluss darauf, wie erfolgreich man als Nail Designer wirklich ist. Alle diese Informationen finden Sie in den von uns zusammengestellten Ausgaben unserer Fachzeitschrift. Auch auf die Gefahr hin, dass böse Zungen vielleicht sagen: „Ratschläge sind auch Schläge“, möchte ich Ihnen heute dennoch einen Rat mit auf Ihren Erfolgsweg geben, den ich vor Jahren selbst von einem sehr klugen Mann erhalten habe. „Der Weg zum Erfolg ist eine Leiter. Jeden Tag, jede Woche und jedes Jahr steigst du stetig die Sprossen deiner eigenen Leiter nach oben. Jeder Mensch, ob Kunde oder Ausbilder/Lieferant, ob Familie, Freunde oder flüchtige Bekanntschaften, jeder ist eine Sprosse auf dieser Leiter, die dir dabei helfen kann, den Weg zu deinem Erfolg zu gehen. Zerbrich nicht unnötige Sprossen, behandle sie pfleglich und mit Bedacht. Denn auf dem Weg nach unten brauchst du jede einzelne dieser Sprossen oder dein Fall ist sicherer als dein Erfolg!“

T. Malon
Redaktion Prof Nail

Λ

Geschichte der Nagelindustrie

Maniküre und Nagelveredelung ist eine antike Tradition. Man bedenke, dass die alten Ägypter bereits schon 3500 v. Chr. Die Kunst der Hand- und Nagelverzierung beherrschten. So bemalte Farao Narmer Füsse, Hände und Fingernägel mit gemischten Naturfarben. Archäologische Funde beweisen, dass sie für Manikür-Utensilien luxuriöse Schatullen verwendeten. Im 14. Jahrhundert war das Tragen von ungefähr 20 cm langen und extra aufpolierten Fingernägeln, für die vornehme Spanierin eine Pflichtübung. Überlieferungen zur Folge wird vom ersten Modebewusstsein im Bezug auf Fingernägel im 17. Jahrhundert berichtet. Um die Jahrhundertwende trugen feine Damen der höheren Gesellschaft kurz, leicht mandelförmige Nägel. Diese wurden gelegentlich mit parfümiertem rotem Öl und mit einem Lederläppchen auf Hochglanz poliert. Schon im Jahre 1830 wird ein Arzt namens Sitts in Europa von den Zahnhölzern aus Orangenholz dazu inspiriert, diese auch zur Maniküre zu verwenden. Mit Hilfe des Orangenholzstäbchens lässt sich die Nagelhaut jetzt schonend zurückschieben, was zuvor mit allerlei Gerätschaften, Säure oder Scheren bewerkstelligt wurde. Ende des 19. Jahrhunderts macht die Nicht Dr. Sitts diese Form der Maniküre international bekannt. Der erste Manikürsalon für Frauen aller Gesellschaftsschichten entsteht. 1917 eröffnete in New York, 5th Avenue, Miss Frederick das erste Nagelstudio. Wenn es wohl nur wenig mit den heutigen Instituten gemeinsam hatte, so war die Geschäftsidee: „Für Frauen, die nicht geneigt sind ihre Nägel zu Hause zu machen“, nachzulesen im „Vogue Shoppers & Buyers Guide“. Zwar war zu dieser Zeit noch nicht einmal das Tragen von Nagellack „in fashion“, doch dies sollte sich bald darauf ändern. Zu dieser Zeit brach in Europa der Erste Weltkrieg aus und Amerika erklärte am 6. April 1917 Deutschland den Krieg. Der erste Nagellack wurde 1925 auf dem Markt eingeführt. Die Mond-Maniküre, wie Beatrice Kaye die Maniküre nannte, beinhaltete das Schneiden der Nagelhaut und das spitze Zufeilen der Nagelspitze. Lackiert wurde nur bis zum Möndchen. Nagellack war in rosigen bis roten Farben erhältlich und in den Etikettebüchern dieser Zeit wurden Frauen vor dem Anmalen der Nägel mit grellen Farben gewarnt. Der „Supreme Nagellack“ von Max Factor war ein beigefarbener Puder, der auf die Nägel aufgesprüht und mit dem Polierleder poliert wurde. Er gab den Nägeln Glanz und eine zarte Tönung. Im gleichen Jahr wurden in Dortmund die „Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen GmbH“ gegründet. Werner Heisenberg veröffentlicht seine erste Pionierarbeit zur Quantentheorie: „Über quantentheoretische Umdeutung kinetischer und mechanischer Beziehungen“ (Zeitschrift für Physik).




Λ

C-Kurve

Bei der Modellage muss auf einiges geachtet werden. Abhängig davon, mit welchem Material gearbeitet wird, muss auf die Konsistenz des Materials, die Form der Verlängerung und natürlich auch die Länge und Statik geachtet werden. Die „C-Kurve“ ist Teil des statischen Aufbaus einer Verlängerung und trägt zur besseren Haltbarkeit und Trageeigenschaft der Modellage bei. Bei der Erstellung der „C-Kurve“ sollten aber einige Punkte beachtet werden. Wir haben Trang Nguyen gebeten, die Unterschiede der „C-Kurve“ aufzuzeigen. Trang gewann im März auf der Beauty International in Düsseldorf den 1. Platz bei der internationalen Nail Design Meisterschaft. Obwohl Trang schon viele Titel geholt hat, war die Meisterschaft in Deutschland doch ein ganz besonderer Sieg. „In Europa werden perfekte Modellagen etwas anders gearbeitet als in Amerika und ich habe einige Jahre dazu gebraucht, mich auf diese Arbeitsweise einzustellen. Gerade bei der ‘C-Kurve’ sieht man deutliche Unterschiede. In den USA wird die ‘C-Kurve’ viel ausgeprägter gearbeitet“, berichtet Trang.

Flexibilität
In den USA wird die „C-Kurve“ mit einem 45 – 50%-Radius gearbeitet. „Einen dünnen Nagel zu arbeiten, erscheint sehr leicht und einfach. Aber um die „C-Kurve“ gleichmäßig zu modellieren, bedarf es sehr vieler Übung. Das Produkt muss sehr dünn aufgetragen werden und darf nicht stärker als die Kante einer Visitenkarte sein“, erklärt Trang. Um den Unterschied zu zeigen, nimmt Trang seine Visitenkarte und klopft mit der Kante auf dem Tisch. Natürlich gibt diese beim ersten Stoß sofort nach und verbiegt sich. Danach formt Trang mit der Visitenkarte einen Tunnel, der eine Biegung von 50° aufweist. Beim erneuten Klopfen auf die Tischplatte knickt die Karte nicht ein und dem Betrachter wird klar, wie viel stärker die Karte durch die Biegung wird. „Beim Nagel ist es ganz genauso. Durch die dünn modellierte „C-Kurve“ behält der Nagel Flexibilität und ist dadurch sehr viel haltbarer. Doch man sollte schon beim Produktauftrag darauf achten, die „C-Kurve“ mit nur wenig Produkt zu modellieren. Wurde zu viel Produkt aufgetragen, muss die „C-Kurve“ dünn gefeilt werden und dies kostet nicht nur Zeit sondern führt bei der Bewertung in einer Meisterschaft vor allen Dingen zu Punktabzug. Mit der Feile werden die Smileline, die „C-Kurve“ sowie die „Upper Arch“ meist ruiniert.

Korrekturen
Gerade während der Teilnahme an einer Meisterschaft passieren Fehler, die beim Üben und Trainieren nicht auftauchen. Beispielsweise ist die Haarlinie der „C-Kurve“ an der einen Seitenlinie dicker als an der anderen. Wenn dies passiert, muss die dickere Seite mit der Feile dünner gefeilt und an die andere Seite angeglichen werden. Meist wird dies durch das Nachsetzen von einem weiteren Bällchen verursacht. Wenn dann die Modellage in Form gepincht wird, entstehen unterschiedlichste Wölbungen und der Grad des Tunnels ist von Nagel zu Nagel nicht mehr kongruent. Auch wenn man das Nachsetzen von mehr Produkt nicht mit dem bloßen Auge erkennen kann, checken Juroren den Produktauftrag gerne mit einem kleinen Laserlicht, das unter die freie Nagelspitze gehalten wird und den ungleichmäßigen Auftrag zeigt. „Es ist immer besser, gleich bei der Modellage des Produkts  auf Genauigkeit zu achten. Wenn Fehler auftreten, kann dies am fertigen Nagel immer nachgewiesen werden“, so Trang.




Λ

Kreativ mit Tips

Pepijn Borrel meint: „Für extra breite Naturnägel bzw. Zehennägel ist es meist schwierig, einen passenden Tip zu finden. Einige Hersteller bieten XL Tips an, aber diese sind meist von der Auflagefläche her sehr flach. Hat der Kunde nun eine ausgeprägte C-Kurve, kommt man mit den XL-Tips an die Grenze des Möglichen, aber auch eine Schablonenmodellage ist keine wirkliche Alternative, da die Schablonen auch nicht breit genug angesetzt werden können bzw. die Verlängerung dann zu flach wirken könnte. Nimmt man aber dennoch einen XL-Tip, entsteht zwischen Auflagefläche und Naturnagel ein Zwischenraum. Gerade bei Problemnägeln muss aber auf eine einwandfreie Statik der Modellage geachtet werden. Wie der Tip an den Naturnagel angepasst wird, zeigen wir Ihnen hier.“ Würden Sie den im ersten Bild gezeigten Tip dennoch auf den Naturnagel setzen, stünde die Modellage unter Druck und dies könnte zu Liftings, ggf. auch zu Deformierungen des Naturnagels (Onycholyse) führen. Nehmen Sie zwei Tips der größten Größe (1 oder 0, abhängig vom Hersteller). Bei einem Tip wird nun gut ein Drittel der Breite des Tips entfernt. An der Kante, die nun entstanden ist, sollte der Tip dünner gefeilt und angepasst werden. Dies wird später das Zusammenfügen der Tips ermöglichen. Auch die Auflagefläche des Tips muss angepasst werden. Die Seiten, die entlang des Nagelfalzes laufen, werden weniger gekürzt. Achten Sie darauf, dass die Spitze der Kante abgerundet wird, sonst kann dies später bei der Modellage zu Problemen beim Zusammen-setzen der Tiphälften führen (siehe Pfeil). Setzen Sie, bevor der zweite Tip beschnitten wird, die erste Hälfte am Naturnagel an. Nun wird mit dem zweiten Tip Maß genommen und die andere Seite des Tips der Länge nach geschnitten. Auch die Auflagefläche muss, wie beim ersten Tip, angepasst werden. Die beiden Tips sollten nicht zu weit überlappt werden. Bei zu wenig Nahtzugabe könnte es jedoch zu Längsrissen in der Modellage kommen. Die übereinander liegenden Teile der beiden Tips sollten gründlich beigefeilt werden.