Nail Designer - ein Beruf

Wir haben schon oft über die Prüfung für Nail Designer an den HWKs berichtet. Doch immer wieder taucht die Frage auf: „Warum sollte ich diese Prüfung ablegen?“ Durch die jüngste Entwicklung, dass nun gleich zwei große Firmen in Deutschland ihre Ausbilder zur HWK-Prüfung geschickt haben und in Zukunft jeden ihrer Ausbilder dieser Prüfung unterziehen werden, gewann das Projekt der HWK-Prüfung an Bedeutung. Dennoch ist für den Einzelnen noch immer nicht ganz schlüssig, was er denn für Vorteile aus dieser Prüfung ziehen könne.
Es ist für die Studiokundin sicherlich leicht erkennbar, dass eine Prüfung an der Handwerkskammer ein Qualitätssiegel darstellt. Hat man die Prüfung bestanden und sein Handwerkskammerzertifikat im Studio montiert, wird man bald bemerken, dass gerade neue Kunden von diesem Qualitätsmerkmal beeindruckt sind. Investiert man dann als Studiobesitzer noch ein wenig in lokal platzierte Werbung, wird man alsbald feststellen, dass der Zuspruch von neuen Kunden über diesen Weg sicherlich nicht von der Hand zu weisen ist.
Die Bedeutung der Prüfung für den Verband, der diese bis heute an einigen Handwerkskammern eingeführt hat, geht aber weit über dieses Qualitätssiegel hinaus. Der BDND möchte eine Anerkennung des Berufs Nail Designer erreichen. Und dies ist in Deutschland nur über die einschlägige Stelle in der Wirtschaft, nämlich den deutschen Handwerkstag zu erreichen. Verpassen Sie nicht die Chance, sich Ihren Beruf auch für die Zukunft zu sichern.

T. Malon
Redaktion Prof Nail

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Laterale Struktur

Spricht man von der lateralen Struktur, wird vorausgesetzt, dass die Seitenlinien der Modellage, die eine Verlängerung des Nagelfalzes darstellen, gleichmäßig und gerade verlaufen. Schon in der letzten Ausgabe hat uns Trang erklärt, dass es Unterschiede zwischen den Anforderungen bei den Meisterschaften in verschiedenen Ländern gibt. Während in den USA für eine perfekte Meisterschaftsmodellage horizontale Seitenlinien vorausgesetzt werden, sind in Europa auch leicht abfallende Seitenlinien zu sehen. Doch ein Punkt ist bei beiden Varianten gleich – die Seitenlinien verlaufen völlig parallel zueinander und bilden somit einen gleichschenkligen Tunnel. Um die laterale Struktur der Modellage zu überprüfen, muss der Nail Designer die Modellage von allen Seiten begutachten. „Vor allen Dingen sollte der Nail Designer die Modellage auch aus der Sicht des Kunden ansehen. Hierbei fallen am allerschnellsten etwaige Flachpunkte des Tunnels und eine Ungleichmäßigkeit der lateralen Struktur auf“, erklärt Trang. Und weiter: „Diese Punkte gleichmäßig an allen zehn Fingern zu modellieren, ist die größte Herausforderung bei einer Meisterschaft. Achten Sie darauf, dass Sie Ihren Stuhl im rechten Winkel zum Arbeitstisch stellen und dass Sie nicht schräg vor Ihrem Modell sitzen. Schon beim Üben am Arbeitstisch sollten Sie darauf achten, beim Modellieren und Feilen immer gerade zu sitzen. Hierdurch können viele kleine Fehler, die später zum Punktabzug führen, vermieden werden.“

Zerstören
Trang erklärt, dass die meisten Fehler beim Befeilen der lateralen Struktur gemacht werden. „Wird von der Seitenlinie zu viel Produkt abgefeilt, werden die Form des Nagels und die laterale Struktur zerstört.“ Im Bild 1 ist deutlich zu erkennen, dass eine Seitenlinie höher ist als die gegenüberliegende. Um eine bessere Erklärung dieser Sicht zu geben, wurde im Bild 2 die Seitenlinie durch eine eingezeichnete Linie gekennzeichnet. Im Bild 3 wurde die darunter liegende Seitenlinie nochmals markiert. „Dieser Fehler kann nicht mehr ausgebessert werden. Wird hier Produkt nachgesetzt, ist dies nach der Fertigstellung der Modellage immer sichtbar. Vor allen Dingen bei einem Wettkampf wird die Jury das Nachsetzen von Produkt sofort bemerken. Aber auch der Kunde in Ihrem Studio sieht, dass etwas an der Form des Nagels nicht in Ordnung ist. Auch wenn er vielleicht nicht bestimmen kann, wo der Fehler zu suchen ist, bemerkt er dennoch, dass die Modellage nicht vollkommen ist“, so Trang. Im Bild 4 sieht man wie eine perfekte Modellage aussehen sollte – gerade und parallele Linien an allen Fingern. Auf unsere Frage, wie man dies erlernen könne, antwortet Trang: „Üben, Üben und nochmals Üben.“




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Geschichte der Nagelindustrie (2)

1955
Dr. Frederick A. Slack, jun., ein führender Zahnarzt, der sich mit den Kunststoffen, die zur Füllung der Zähne verwendet wurden, auseinandersetzte, gründete die Firma Amco, die sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Modellagekunststoffen für die Nagelindustrie spezialisierte.
In Amerika hält die Gefriertruhe Einzug in die Haushalte und in der Schweiz wird der Klettverschluss (Velcro; Velours und crochet = Haken) patentiert.

1957
Die Familie Slack meldet ein Patent auf eine „Plattform“ an, die unter der freien Nagelkante angesetzt wird, damit Modellagemasse an den Naturnagel angebaut werden kann (siehe Zeichnung). Heute würde man diese Plattform als Modellageschablone bezeichnen.
Die Schablone wurde aus Folie gefertigt und wurde Bestandteil eines neuen Modellagesystems, das von Patricia Still in Zusammenarbeit mit der Dr. Frederick Slack konzipiert wurde. Im darauf folgenden Jahr wurde „Patinail“ auf dem Markt vorgestellt. Dieses System ermöglichte erstmalig, Fingernägel mit dem Pulver-Flüssigkeits-System, das auch Zahnärzte für Füllungen verwendeten, zu verlängern bzw. zu verstärken.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die Verstärkung und Verlängerung nur mit dem Kleber und dem Gewebesystem (Fiberglas) gearbeitet.
Die EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) wird in Rom von der BRD, Frankreich, Italien, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg am 25. 03. 1957 gegründet (Römische Verträge).

1960
Durch die schnelle Produktentwicklung für Modellagematerialien werden einige neue Vertriebsfirmen gegründet. Mona Nail aus Dallas stellt eine Acryl-Produktserie vor. Melvco, eine auf Naturnagelpflege spezialisierte Firma, entwickelt „Magic Nail“, ein Nagelverstärker und Nagelaufbauprodukt.
John F. Kennedy wird zum Präsidenten in den USA gewählt. Er ist mit 44 Jahren der bislang jüngste Präsident.

1969
Amco ließ sich das erste „Powder Liquid Composite Resin“ patentieren, das die Grundlage für das heute bekannte Gel-System und die Lichthärtungstechnik ist.
Am 21. 07. 1969 betritt Neil Armstrong, Astronaut der NASA (US-amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde), als erster Mensch den Mond.



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Rosen

Claudia Schlett - CS Beauty

Modellage
Durch die Aufgabenstellung, Blumen ohne Farben zu erstellen, ist es nicht ganz so einfach, eine effektvolle Blumenmodellage zu erstellen. Fast schon automatisch würden viele Nail Designer zu Rot, Rosa oder Orange greifen, wenn es um die Modellage einer Rose geht. Umso beeindruckender ist es, wenn man in der hier gezeigten 3-D-Modellage sieht, wie effektvoll eine schlichte weiße Rose wirken kann. Nach einer gründlichen Vorbereitung des Naturnagels wird mit schwarzem Pulver, das nur ganz wenige Glitterpartikel beinhaltet, die Verlängerung modelliert. Bei der Modellage mit schwarzem Pulver sollten Sie darauf achten, dass das Pulver nicht blutet und das Nagelbett mit einem Schleier einfärbt. Ziehen Sie die Smileline mit dem gesäuberten Pinsel gründlich nach. Das Nagelbett wird nun mit klarem Pulver überzogen und nach dem Anhärten in Form gepincht. Die Grundmodellage wird danach in Form gefeilt und auf Hochglanz poliert oder mit einem Versiegelungs-Gel überzogen. Bei der 3D-Modellage wird der Aufbau auf den fertigen Nagel aufgesetzt. Nach dem Aufsetzen des 3-D-Aufsatzes kann die Modellage nicht mehr aufpoliert oder versiegelt werden.

Rosenmodellage
Nun werden die Basisblätter modelliert. Mit kleinen Bällchen werden drei Blütenblätter auf den Nagel aufgesetzt. Drücken Sie hierbei die Blütenblätter zum Zentrum der Blüte hin besonders flach, da sonst der Aufbau zu hoch werden könnte und die fertige Rose beim alltäglichen Tragen für die Kundin störend wirken könnte. Als zweite Blütenreihe werden wiederum drei Blätter aufgesetzt. Diese immer in die Zwischenräume der darunter liegenden Blütenblätter platzieren. Die Kanten der Blütenblätter können etwas vom Nagel abgehoben werden, damit die Blüte einen dreidimensionalen Effekt erhält. Setzen Sie nun ein Produktbällchen in die Mitte der Blüte. Mit dem sauberen Pinsel wird jetzt eine Vertiefung in das Bällchen gedrückt. Dies gibt der Roseblüte das Aussehen, als ob sie noch nicht ganz aufgeblüht wäre. Mit einem sehr feinen Nail Art-Pinsel wird zum Abschluss ein winziges Produktbällchen in die Vertiefung gesetzt. Um das Design noch auszuschmücken, werden drei unterschiedlich große Produktbällchen entlang der Smileline auf den schwarzen Untergrund aufgebracht.
Auch wenn der nicht glänzende 3-D-Aufsatz einen sehr attraktiven Kontrast zum glänzenden Untergrund bildet, sollten Sie Ihre Kundin darauf hinweisen, dass sich bei diesem Design gerne Verschmutzungen in den Blütenblättern festsetzen können. Mit einer kleinen Nagelbürste kann die Blüte regelmäßig gereinigt werden.





Bianca Schratzenstaller - Nailstyle

Black Rose
Doch nicht jede Kundin kann sich für einen 3-D-Aufsatz begeistern. Aber ein Rosenmotiv, ohne farbiges Modellageprodukt eingelegt in die Modellage, ist eine Herausforderung für jeden Nail Designer. Nach Suche in einer Anzahl von Nail Art-Büchern fanden wir ein Motiv der koreanischen Nail Designerin Miss Oh. Dieses Motiv haben wir für Sie nacharbeiten lassen und hier die Schritt-für-Schritt-Anleitung zusammengefasst.

Modellage
Nach den Grundarbeitsschritten und der Vorbereitung des Naturnagels für den Produktauftrag wird die Verlängerung mit ganz feinem Glitterpulver in Silber gearbeitet. Mit dem gleichen Pulver wird auch ein Möndchen modelliert. Achten Sie darauf, dass keine Glitterpartikel auf dem Nagelbett haften. Durch den späteren Überzug mit klarem Produkt würden diese Glitterpartikel optisch vergrößert und würden das Design der Black Rose stören. Pinchen Sie jetzt die Modellage in Form. Durch die nun zu arbeitende Rose würde zu viel Zeit vergehen und das darunter liegende Modellageprodukt würde zu hart, um dann in Form gepincht zu werden. Gerade Modellagen, die Motive aufweisen, sollte eine hervorragend gearbeitete Verlängerung zugrunde liegen. Ist dies nicht der Fall, können die Modellage und das Motiv oftmals unförmig wirken.
Bei dieser stilisierten Rose wird mit schwarzem Pulver vom Zentrum der angedeuteten Blüte her begonnen. Mit einem sehr feinen Nail Art-Pinsel wird ein winziges Bällchen aufgesetzt und flach gedrückt. Nun werden einige Blütenblätter angedeutet. Hierzu werden in einem Kreis einzelne Produktbällchen aufgesetzt und zu den angedeuteten Kanten der Blütenblätter geformt. Achten Sie darauf, dass die Zwischenräume zwischen den Blütenkreisen gut gesäubert werden. Je klarer die angedeuteten Blütenblätter definiert werden, umso effektvoller wird das Motiv der Black Rose in der fertigen Modellage wirken. Nach einigen Blütenblätterringen wird nun eine Blätterranke angedeutet. Hierzu werden winzig kleine Produktbällchen aneinandergereiht, um eine Linie aufzuzeichnen. Die Rosenblätter werden mit etwas größeren Bällchen an verschiedenen Punkten der Ranke angesetzt. Bei einer Motiv-Modellage mit schwarzem Pulver muss darauf geachtet werden, mit kleinen und sehr trockenen Produktbällchen zu arbeiten.