HWK oder IHK


Jetzt ist es für jeden Nail Designer amtlich bestätigt: Nagelmodellage kann jeder ausüben, weil es eine Tätigkeit ist, die keinerlei Sachkenntnisse voraussetzt. Damit hat das Verwaltungsgericht die Kammerzugehörigkeit von HWK bzw. IHK erklärt. Was mich an der Sache ärgert? In Deutschland gibt es eine Zwangsmitgliedschaft in der Kammer, ob für das Handwerk oder für Handel bzw. Industrie. Jeder, der ein Gewerbe betreibt, wird bei einer Kammer angemeldet und muss Beiträge bezahlen. Die IHK ist derzeit für Kleinstgewerbe kostengünstiger, aber eine aktive Hilfestellung gibt diese Organisation wohl eher selten. Fragt man bei der IHK nach, wo man eine gute Ausbildung bekommen würde oder wie es sich mit der Auszeichnung von Produkten verhält, ist der Fragende von den Antworten meist sehr enttäuscht. In den letzten Jahren bieten die Handwerkskammern immer häufiger Aus- und Weiterbildung für Nail Designer an. Auch die Prüfungen sind derzeit an einer Reihe von HWKs verfügbar. Immer häufiger werden Serviceleistungen und Informationen an den Handwerkskammern angeboten. Soll dies nun alles gestoppt werden? Hat dies nun alles keinen Wert mehr? Der Aufruf mancher Forenbetreiber: „Tretet nun alle aus der Handwerkskammer aus!“ kann natürlich dazu führen, dass die Fortschritte der letzten Jahre wieder verloren gehen. Die Nail Designer müssten also zwar die Beiträge an die IHK zahlen, würden aber dafür keinerlei Unterstützung erhalten. Überlegen Sie selbst, ob es sich lohnt, diesen Schritt zu gehen! Veranstaltungen wie Workshops, Meisterschaften oder Infomessen an der HWK wären dann gegebenenfalls nicht mehr durchführbar.

T. Malon und Jo Metze
Redaktion Prof Nail

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Hygiene

Hygiene, die Lehre über die Verhütung von Infektionskrankheiten durch Übertragung von Mikroorganismen, ist in der heutigen Form eine relativ junge Lehre. Erst 1865 wurde in Deutschland der erste Lehrstuhl für diesen Bereich an einer Universität eingerichtet. Trotz des  Wissens, dass schon im Römerreich der Arzt Marcus Terrentio Varro über die Übertragungswege von Krankheiten durch Mikroorganismen lehrte, hat es sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts bei uns durchgesetzt.

Anwendungen im Studio
Auch wenn nun schon seit über 150 Jahren die Lehre der Hygiene an den deutschen Universitäten unterrichtet wird und das Bewusstsein um Hygiene in der Bevölkerung immer stärker wird, gibt es dennoch Teilbereiche unseres Lebens, in denen die hygienischen Bedingungen noch nicht berücksichtigt werden. Da der Beauty Bereich noch relativ jung in seiner Entwicklung ist und dessen Anwendungen großen Änderungen unterworfen sind, arbeiten die Behörden erst in den letzten Jahren an Hygieneverordnungen,  die die Anwendungen strickt reglementieren. Durch den Föderalismus obliegt es jedoch jedem Bundesland, Hygieneverordnungen zu erlassen. So unterscheiden sich diese Vorschriften maßgeblich voneinander. NRW hat eine 23-seitige Hygieneverordnung. In Bayern, Hamburg und Niedersachsen umfasst die jeweilig gültige Hygieneverordnung gerade  ein bis maximal drei Seiten. Dementsprechend dürftig sind auch die Vorschriften und Empfehlungen. Während NRW das Tragen von Handschuhen während des Kontaktes mit den chemischen Produkten (also während des Produktauftragens und der Feilarbeit) zwingend vorschreibt, wird das in der bayerischen Verordnung noch nicht einmal erwähnt. Auch die Verwendung der Feilen und deren Handhabung tauchen in den meisten Verordnungen nicht auf. Macht man sich dann aber klar, dass genau auf diesem Weg einiges an Keimen und Mikroorganismen übertragen werden kann, ist die Arbeitssituation in den Studios nicht weiter verwunderlich.

Geltungsbereich
Die Verordnung, die am umfangreichsten ausgearbeitet wurde, ist die in Nordrhein Westfalen gültige Verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten (Hygieneverordnung) vom 9. Januar 2003.
Diese Verordnung gilt für berufs- oder gewerbsmäßig ausgeübte Tätigkeiten außerhalb der Heilkunde, bei denen Krankheitserreger im Sinne von § 2 IfSG, insbesondere Erreger von AIDS, Virushepatitis B und C oder deren toxische Produkte auf Menschen übertragen werden können. Hierzu gehören insbesondere Tätigkeiten im Frisörhandwerk, in der Kosmetik und Fußpflege, beim Tätowieren und Piercing, Ohrlochstechen, aber auch andere Tätigkeiten, bei denen Verletzungen der Körperoberfläche vorgenommen werden, soweit hierbei Geräte, Werkzeuge oder Gegenstände eingesetzt werden, die bei ihrer bestimmungsgemäßen Anwendung am Menschen Verletzungen der Haut oder Schleimhaut verursachen oder unbeabsichtigt verursachen können.
Auch wenn im Nagelstudio offiziell keine Tätigkeiten ausgeübt werden, die eine Verletzung der Haut oder Schleimhaut verursachen, kann dies aber unbeabsichtigt geschehen. Wie im letzten Satz dieser Verordnung dargestellt, sind im Geltungsbereich auch Nagelstudios mit eingeschlossen, und haben sich somit an diese Vorschriften zu halten. Wenn auch darüber diskutiert werden könnte, inwieweit diese Vorsichtsmaßnahmen wohl übertrieben sind, sollte der Nail Designer es sich klar machen, dass hygienische Vorschriften in erster Linie dem Schutz der eigenen Person dienen.
Allzu oft kann man beobachten, dass die Kundin ein Studio betritt und ohne sich die Hände zu waschen am Arbeitstisch Platz nimmt. „Wissen Sie, was die Kundin vorher in der Hand gehalten hat? Machen Sie sich bewusst, dass in diesem Moment jeder Keim, jede Bakterie und jeder Virus sich auf dem Arbeitstisch ausbreitet. Wissen Sie, ob die Kundin an einem Krankheitserreger leidet, der u.U. auf Sie selbst oder die nächste Kundin übertragen werden kann?“ So lauten die Fragen, die die Dozentin Andrea Struck an der HWK Düsseldorf ihren Schülern stellt, wenn diese am Prüfungsvorbereitungskurs teilnehmen. Andrea ist selbst ausgebildete Krankenschwester und hat aus dieser Zeit viel Wissen im Bezug auf Gesundheit, und Hygiene gesammelt.


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Fliederfeelings

Anleitung
Für unser „Fliederfeeling“ hat Claudia ein Farbpulver gewählt, das ganz zart eingefärbt ist. „Die Verlängerung kann auch mit weißem French Pulver gearbeitet werden, doch das Design verliert dadurch sehr an Wirkung“, erklärt Claudia. „Bei der Verlängerung sollte darauf geachtet werden, dass nur wenig Produkt verwendet wird. Da im Anschluss noch Glitter, die Blüten und danach der Überzug modelliert werden, erscheint der Nagel sonst zu dick und unförmig.“ Nun nimmt Claudia ein lavendelfarbenes Glitterpulver auf und platziert das Bällchen direkt über der Smileline. Zuerst wird eine dramatisch modellierte Smileline gezogen und dann der Rest des Produktbällchens über die freie Nagelspitze gezogen. „Achten Sie bei der Bällchengröße darauf, dass nicht zu viel Glitterpulver aufgetragen wird. Die freie Nagelspitze mit dem leicht eingetönten Produkt sollte auf jeden Fall noch zu sehen sein“, lässt uns Claudia wissen. Sehr elegant wirkt bei diesem Design auch die sehr hoch gezogene Smileline. Sie gibt dem modellierten Nagel ein elegantes Aussehen und unterstreicht die Wirkung der Blüten ausgezeichnet. Mit dem sauberen Pinsel wird überschüssiges Produkt vor dem weiteren Arbeiten entfernt. Mit einem Blütenpinsel nimmt Claudia nun ein kleines, weißes Produktbällchen auf und setzt es auf das Glitterbett. Das Bällchen wird zu einem Blütenblatt angedrückt. Hierbei achtet Claudia auf einen flachen Ansatz, damit die Farbe des Glitterpulvers durchschimmern kann. „Zuerst dachte ich, dass die Blütenblätter des Covers mit einem zweifarbigen Bällchen gearbeitet wurden, doch nach einigen Proben kam ich mit dem Ausdünnen des Ansatzes auf den Effekt wie im Coverbild“, erzählt Claudia. Zügig setzt sie nun die einzelnen Blütenblätter auf, um eine Ranke zu formen, die über die freie Nagelspitze bis ins Nagelbett läuft. „Gerade bei einem Inlay-Design muss man wirklich zügig arbeiten, da sonst der Nagel nicht mehr in Form gepincht werden kann“, so die Erklärung. Wenn die Blütenranke fertig modelliert wurde, entfernt Claudia die Schablone. Nach dem Klopftest wird die Modellage in Form gepincht. Um den Blütenmittelpunkt zu unterstreichen, setzt man nun fliederfarbene Strasssteinchen ein. Nun wird die Modellage mit klarem Produkt überzogen. Das Design wird in das Modellageprodukt regelrecht eingepackt und die Arch ausgearbeitet.

Mit Dank an Claudia Schlett www.cs-beauty.de




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Stilettomanie

Anleitung
Als nächsten Schritt platziert Stefanie die Schablone unter der freien Nagelspitze. Nun wird im Anschluss daran das Nagelbett optisch etwas verlängert. „Gerade beim Stiletto sieht die Nagelbettverlängerung sehr viel besser aus. In Deutschland haben die meisten Kunden ein verhältnismäßig kurzes Nagelbett und mit dem extrem langen Anbau des Stilettos würde die fertige Modellage unter Umständen plump und unförmig wirken“, erläutert Stefanie. „Schon jetzt wird so viel Produkt aufgetragen, um den Stresspunkt der Modellage zu unterstützen.“ Nun nimmt Stefanie etwas schwarzes Pulver auf und zeichnet ein Tribal auf die Schablone (Bild 1). Das farbige Modellageprodukt wird nur an die vorher modellierte freie Nagelkante angelegt und entlang der Smileline hochgezogen. „Wenn man eine Nagelbettverlängerung arbeitet, kann man eine dramatische Smileline vorgeben. Dies macht es leichter, auch wirklich exakt gleiche Smilelines an jedem Nagel zu modellieren“, meint Stefanie. Die Smileline wird mit rotem Glitterpulver auf der gegenüberliegenden Ecke ausgearbeitet und das Produkt entlang des schwarzen Pulvers geformt. Die Kanten des Tribals arbeitet Stefanie mit weißem Pulver (Bild 2). Sie achtet akribisch darauf, die Ornamentik des Tribals immer wieder auszuarbeiten und die unterschiedlich farbigen Produkte als Tribal ineinander zu verschlingen (Bild 3). „Bei diesem Design kommt der Unterschied zwischen schwarzem und weißem Produkt in Kombination mit dem roten Glitterpulver sehr gut zur Geltung. Hierbei muss man aber sehr exakt und trocken arbeiten, sonst könnte das Produkt ausbluten und die anderen Felder einfärben. Wenn man mit Glitterpulver arbeitet, sollte immer darauf geachtet werden, den Pinsel sorgfältigst zu säubern. Die kleinen Glitterpartikel tauchen sonst in den andersfarbigen Feldern auf und lassen das Tribal unschön erscheinen“, lässt uns Stefanie wissen. Zum Abschluss des Designs setzt Stefanie immer wieder unterschiedliche Farben in das Motiv ein (Bild 4). Die Seitenlinie des Stilettos wird schon auf der Schablone exakt gezeichnet und überschüssiges Produkt wird von der Modellage genommen. Nun überzieht man die freie Nagelspitze mit klarem Produkt (Bild 5). Hierbei sieht man sehr schön, dass das Produktniveau dem Niveau der Nagelbettverlängerung angepasst wird. „Durch die extreme Länge eines Stilettonagels ist die exakte Ausarbeitung des Stresspunktes bzw. der Arch sehr wichtig. Damit die Stilettomodellage haltbar ist und auch vom Kunden getragen werden kann, muss der Nail Designer eine exakte Form gewährleisten“, betont Frau LoRe.

Mit Dank an Stefanie LoRe