Nail-Design-Industrie am Wendepunkt?

 

Niedrigere Umsätze und kritische Kunden – so könnte man die Reaktionen der Firmen zusammenfassen, mit denen wir in den vergangenen zwei bis drei Monaten Gespräche geführt haben. Die Kunden, also die Nail-Designer, sind kritischer geworden, vergleichen Preis und Qualität der Produkte und treffen gezielt ihre Kaufentscheidung. Sie recherchieren im Internet, fragen Kollegen auf Facebook um Rat und nach Empfehlungen und veröffentlichen über dieses Medium auch Kritik über schlechte oder minderwertige Qualität, zu hohe Preise oder schlechten Service.

Erfolgreiche Firmen in der Nagelindustrie sind heute nicht nur mit einer Internetseite, einem Onlineshop und einer Beratungshotline ausgestattet – sie haben darüber hinaus auch eine Fanseite auf Facebook und informieren hierüber ihre Kunden zeitnah. Wer diesem Profil nicht (mehr) entspricht, hat es schwer, die Kunden von seinen Produkten zu überzeugen oder über neue Produkte zu informieren!

Auch der Schulungsmarkt beginnt sich zu wandeln. War noch vor wenigen Jahren jede Firma mit einem Schulungscenter und Schulungspartner ausgestattet, sind heute firmenunabhängige Schulen, die dem Nail-Designer Know-how unabhängig von Produkt und Verkauf vermitteln, immer mehr die Schulungspartner der Wahl. Hat man das Können, einen perfekten Nagel zu machen, kann man das mit (beinahe) jedem Produkt realisieren! Dies ist auch das Fazit vieler Profis. Hinter den guten Schulungsangeboten, die man beispielsweise auf Facebook und den diversen Internetseiten findet, und die deshalb auch rege gebucht werden, stehen meist Kollegen, die auf Meisterschaften ihr Können perfektioniert haben und dadurch auch einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangten. Leider sind aber auch genügend Anbieter zu finden, die mit wenig oder dürftigem Wissen und u. a. falschen Aussagen den interessierten Besucher anlocken. Für die etablierten Firmen erfordert dies ein Umdenken. Denn der Verlust von Schulungen bedeutet auch gleichzeitig einen Umsatzverlust.

 

Wir, das Team der ProfNail, schauen gespannt auf die startende Messesaison und das kommende Jahr. Wo der Weg hingeht, welche Firmen neue Wege gehen und wer am Ende vielleicht auch nicht überlebt, werden wir für Sie recherchieren und zeitnah hier und auf unseren Facebookseiten berichten.

 

 

Ihr ProfNail-Team

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Glamour mit Blattgold

 

Die Verarbeitung von Blattgold, -silber oder -kupfer sorgt bei der Designmodellage immer für ein extravagantes Flair. Die hauchdünnen Blätter werden vor dem Einlegen in das Modellagematerial in kleine Teilchen zerlegt und dadurch entsteht an jedem Nagel ein individuelles Muster. „Wegen der Verwendung ‚echten‘ Blattgolds, das ja schon im Einkauf relativ kostspielig ist, sind auch die meisten Kunden gewillt, etwas mehr für die Designmodellage zu bezahlen. Für die hier gezeigte Arbeit berechne ich in meinem Nagelstudio 120 Euro“, lässt uns Milena wissen.

 

Blattgold wird vom Goldschläger mit einem Federhammer hergestellt. Aus einem Gramm Gold kann dieser bei der üblichen Dicke von ca. 100 Nanometern etwa einen halben Quadratmeter Blattgold schlagen. Verwendet wird es üblicherweise, um nichtmetallischen Gegenständen das Aussehen von echtem Gold zu geben, was man auch „vergolden“ nennt.

 

Grundarbeitsschritte

Für die Grundarbeitsschritte, die den Naturnagel auf den Produktauftrag vorbereiten und damit die Anhaftung optimieren, wird zunächst die Nagelhaut vorsichtig mit einem Spatel oder Propusher von der Nagelplatte gelöst und zum Nagelfalz zurückgeschoben. Hautschüppchen, die sich am Naturnagel abgelagert haben, werden sorgsam entfernt. Hierfür eignet sich die elektrische Feile, die aber mit einem eigens für diesen Arbeitsgang entwickelten Bit ausgestattet werden sollte. Im Anschluss sollte die Nagelplatte mit einer weichen Feile oder Buffer in Wuchsrichtung mattiert werden. Für die Verlängerung setzt Milena nun einen Crystal Tip an und feilt nach dem Kürzen des Tips auf die gewünschte Länge die Auflagefläche auf das Niveau der Nagelplatte. Der Rest des Tips wird nun mattiert, um die Anhaftung des Modellageprodukts zu ermöglichen. Mit einem Dehydrator („Ultra Dry“) werden dem Naturnagel überschüssige Öle entzogen, da diese später zu Haftungsproblemen führen könnten. Nun trägt Milena als Haftvermittler für das Gel „Ultra Bond“ auf.

 

Produktauftrag

Für die erste Produktschicht werden die Nagelplatte und der Tip mit einer dünnen Schicht „Ein-Phasen Gel clear“ überzogen und im UV-Lichthärtungsgerät entsprechend den Herstellerangaben für 2 Minuten ausgehärtet. Farbliche Unregelmäßigkeiten werden mit einem Camouflage-Gel, das farblich auf den Hautton der Kundin abgestimmt wird, abgedeckt und optisch etwas verlängert. Vor dem Aushärten im UV-Gerät wird mit dem sauberen Pinsel die Smileline ebenmäßig geformt. Auf der freien Nagelspitze wird jetzt eine Schicht „Builder Gel milk“ aufgetragen. In diese Produktschicht legt Milena ein Stückchen goldenen Fadenstoff ein. Um das Gewebe gut zu verankern, drückt man es mit einer Frischhaltefolie fest und härtet diese Produktschicht mit der darauf liegenden Folie im UV-Lichthärtungsgerät aus. Danach wird die Folie entfernt und man kann das Blattgold auftragen. Hierzu wird die sehr dünne Blattgoldschicht mit einem Rosenholzstäbchen zerrissen und in die Inhibitionsschicht eingebettet. Anschließend überzieht man den gesamten Nagel mit dem „Ein-Phasen Gel clear“ und härtet auch dies im UV-Lichthärtungsgerät aus.…

 

(vollständiger Artikel in ProfNail 2, 2013)

 

Mit Dank an Milena Frusteri
trendnails international

Glamour mit Blattgold Glamour mit Blattgold Glamour mit Blattgold
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French ist nicht gleich French

 

Wir zeigen ja sehr häufig French-Modellagen, gearbeitet mit dem Gelsystem oder auch mit dem Pulver-Flüssigkeits-System. Doch bei jeder Modellage gibt es Variationen bzw. hat sich der Stil der French-Modellagen im Laufe der letzten Jahre auch vom Aussehen und der Verarbeitung her geändert. Bedingt durch die Mode – heute trägt man eher eine schlichte und sportliche Länge – aber auch durch das Produktangebot, ändert sich das Aussehen der Modellagen. Wir haben Ingrid Geschonneck, die schon seit vielen Jahren erfolgreich ein Studio leitet, gebeten, eine kürzlich im Internet vorgestellte Variation nachzuarbeiten.

Hat man früher noch 2 – 3 mm dicke weiße French-Spitzen modelliert, werden sie heute vom Aussehen her immer schmäler und dezenter. „Mit den neuen Camouflageprodukten und dem ‚Paint-On-Weiß‘ können sehr dezente French-Modellagen gearbeitet werden“, begründet Ingrid ihre Wahl der Produkte. „Wenn die Kundin schöne Naturnägel hat, möchte sie diese meist nur optisch etwas aufwerten. Hier geht es nicht in erster Linie um eine Verlängerung der Nägel, sondern nur um eine optische Verschönerung im French-Look.“

 

Arbeitsweise

Zuerst werden die Grundarbeitsschritte zur Vorbereitung der Nagelplatte auf den Produktauftrag absolviert. Hierzu werden die Nagelhaut zum Nagelfalz zurückgeschoben und Ablagerungen von der Nagelplatte mit einer elektrischen Feile oder einem Propusher entfernt. Nach dem Mattieren des Nagels wird die freie Nagelspitze in Form gebracht. „Bei diesem Beispiel wünscht die Kundin keine Verlängerung und wir arbeiten hier nur eine Naturnagelverstärkung in French-Optik“, erläutert Ingrid. Nachdem der Naturnagel mit einem mit Cleaner getränkten Zellstoffpad gereinigt wurde, trägt Ingrid dünn ein Haftvermittlungsgel auf und härtet dieses im UV-Lichthärtungsgerät aus. Mit einem auf den Hautton abgestimmten Camouflage-Gel wird nun ein dünner Überzug modelliert. „Gerade über der natürlichen Smileline sollte genug Produkt aufgetragen werden, damit der spätere Nachwuchs nicht zu sehen ist“, erklärt Ingrid. „Gegebenenfalls sollte das Camouflage-Gel in zwei Schichten aufgetragen werden, damit die Farbe das Nagelbett schön abdeckt.“ Nach dem Aushärten wird die Inhibitionsschicht mit einem Zellstoffpad abgenommen und der Nagel in Form gefeilt. Nun trägt Ingrid ein weißes Paint-on-Gel hauchdünn über die Spitze des Nagels auf und härtet dieses im UV-Gerät aus. „Die weißen Paint-on-Gele sind sehr hoch pigmentiert und können wirklich nur ganz dünn aufgetragen werden. Man sollte noch vor dem Aushärten einen ebenmäßigen Produktauftrag modellieren, da sonst Schatten in der weißen Spitze beinahe unvermeidlich sind“, rät Ingrid allen Kollegen. Nach dem Aushärten muss ein Versiegelungsgel aufgetragen werden. „Hierbei sollte man darauf achten, dass die Kante des Naturnagels mit in das Glanzgel eingebettet wird. Da ja keine Verlängerung gearbeitet wurde, kommt es sonst beim Tragen zum Absplittern des Gelüberzugs vom Naturnagel“, warnt Ingrid.

 

Ein wirklich schöner und elegant wirkender Naturnagelüberzug in French-Optik!

Mit Dank an Ingrid Geschonneck

French ist nicht gleich French French ist nicht gleich French French ist nicht gleich French
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Designmodellage

 

Designer Silvia-Anne Müller

 

Mohnblumen als Relief
Immer wieder wird uns die Frage gestellt: Was ist eigentlich eine „Reliefmodellage“? Gerade im Vorfeld einer Meisterschaft, beispielsweise wie die „Nail Noblesse“, bei der in der Ausschreibung dieser Begriff verwendet wird, taucht dieses Problem immer wieder auf. Silvia-Anne Müller, Ausbildungsleitung der Firma Nothing but Nails hat uns hier ein tolles Beispiel für eine Reliefmodellage erstellt.

Bei einem Relief handelt es sich um eine künstlerische Darstellung, diesich plastisch vom Hintergrund abhebt.“* Künstler unterscheiden zwischen Flach-, Halb- und auch Hochrelief, was sich auf die Höhe der Darstellung bezieht und wie weit diese aus dem Hintergrund bzw. Untergrund herausragt. In der Nagelindustrie arbeitet man wohl nur das Flach- bzw. das Halbrelief. Motive, die in der Kunst unter den Begriff Hochrelief fallen, würde der Nail-Designer als 3-D-Aufbau bezeichnen. Silvia-Anne Müller zeigt uns hier ein Mohnblumen-Design, das als Relief gestaltet wurde.

Anleitung
Um die optimale Anhaftung des Produkts an den Naturnagel zu garantieren, beginnt Silvia-Anne mit der Vorbereitung des Naturnagels und den Grundarbeitsschritten. Hierfür wird die Nagelhaut vorsichtig vom Nagel angehoben und zum Nagelfalz zurückgeschoben. Abgelagerte Hautschüppchen werden mit einem Propusher von der Nagelplatte entfernt. Danach wird diese mit einer weichen Feile bzw. einem Buffer in Wuchsrichtung mattiert und die freie Nagelkante in Form gefeilt. Nachdem der Staub gründlich entfernt wurde, setzt Silvia-Anne eine Schablone unter die Nagelkante. „Gegebenenfalls kann man zu diesem Zeitpunkt einen Haftvermittler, Primer bzw. Dehydrator auf den Naturnagel auftragen. Dies unterstützt die Anhaftung des Produkts und verbessert die Haltbarkeit sowie die Trageeigenschaften der Modellage, was gerade bei langen Nägeln, wie den Stilettos von Vorteil sein kann“, weiß Silvia-Anne. Nun wird zuerst mit einem deckenden Camouflageprodukt die Nagelplatte abgedeckt und optisch etwas über die Schablone verlängert. Direkt an der Smileline arbeitet Silvia-Anne mit einem weißlichen Glitterpulver, (oder: Direkt an die Smileline dockt Silvia-Anne weißliches Glitterpulver an,) das sie dünn über der Schablone ausstreicht. Um die Haltbarkeit der Verlängerung zu gewährleisten, wird der komplette Nagel im Anschluss mit klarem Produkt überzogen und bis zur Spitze der Schablone verlängert. Für die Festigkeit der Stilettos wird die Arch mit klarem Produkt aufgebaut. Wenn das Produkt genügend angehärtet ist, wird die Schablone entfernt und der Nagel in Form gepincht. „Zur Stabilisierung der gepinchten Form werden zwei Pinchklemmen angesetzt. Der Stilettonagel ist so lang, dass eine Pinchklemme nicht ausreichen würde, um die Form über die gesamte Länge zu halten“, erklärt Silvia-Anne ihre Vorgehensweise …

* Wikipedia

(vollständiger Artikel in ProfNail 2, 2013)

Mit Dank an Silvia-Anne Müller,
www.nothingbutnails.de



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